06. April 2010

Daten verkaufen ist modern

Datenschutz wird hierzulande in Deutschland ja groß und fett geschrieben. Ja wer möchte auch schon, dass jeder Hans und Franz in der großen weiten Welt da draußen, über einen Bescheid weiß? Während bereits Google durch Dienste wie StreeView usw. Schlagzeilen schreiben konnte, gerät nun das Social Network Facebook in die Mangel der deutschen Datenschützer, angeführt von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Diese kritisiert in einem offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg die neusten Pläne seines Unternehmens, den Datenschutz auf den Seiten der Nutzer weiter zu lockern.

[...] mit großer Verwunderung habe ich gesehen, dass “Facebook” ungeachtet der Bedenken von Nutzern und massiver Kritik von Verbraucherschützern den Datenschutz im Netzwerk weiter lockern möchte.

Verbraucherschutzministerium Ilse Aigner

Doch inwiefern wird Facebook den Datenschutz lockern? Seit der letzten Änderung der Nutzungsregeln im Dezember sind Namen, Wohnort und Profilfoto über Suchmaschinen für jeden Interessierten zugänglich. Mit der angekündigten Änderungen wagt das Facebook-Unternehmen gleich einen noch größeren Schritt, indem Nutzerdaten automatisch und ohne jegliche Rückfrage an “überprüfte” Partner sowie Anwendungen weitergegeben werden. Zu diesen Nutzerdaten gehören Informationen wie Namen, Geschlecht, Profilbilder sowie mit anderen Nutzern geteilte Inhalte, sodass sich also auf ein großes Spektrum individueller Zielgruppen zugreifen lässt. Hört sich böse an, wenn ich bedenke, dass unser Haushalt bereits seit einigen Monaten von nervigen Telefonbediensteten “terrorisiert” wird.

Doch wie kann einer dieser Partner, die besagte Daten erhalten dürfen, als “überprüft” eingestuft werden? Wie die Partner überprüft werden sollen, will Facebook nicht bekanntgeben, jedoch müssten sie ein “Zulassungsverfahren” durchlaufen und Vereinbarungen zum Schutz der Privatsphäre unterschreiben, so das Facebook-Unternehmen. Garantiert wird außerdem, dass es eine Weitergabe der Daten zu Werbezwecken nicht geben wird, aber dann frage ich mich, wozu die “überprüften” Partner meine Daten überhaupt brauchen? Dienen sie vielleicht zur Verbesserung von Applikationen, sodass ich künftig durch meine persönlichen Daten unbewusst an einer Umfrage teilnehme? Einen Sinn kann ich dort nicht erkennen, vielleicht gibt es zu einem späteren Zeitpunkt mehr dazu.

Wenn ihr jetzt vorhabt, euren Facebook-Account zu löschen oder sämtliche optionalen Informationen löschen wollt, dann kann ich euch noch beruhigen. Die Daten eines Benutzers sollen nur weitergegeben werden, wenn dieser nicht die “Opt-Out-Funktion” aktiv nutzt. Nun, diese Funktion wird sicher nicht standardmäßig aktiviert sein, daher solltet ihr bei eurem nächsten Facebook-Besuch euch doch lieber nach dieser Funktion erkundigen.

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